János Eifert - Photographer

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Mayer: Harmonie zwischen Mensch und Natur. Neue Zeitung, Budapest, 1985. október 5.

Neue-Zeitung-1985Neue Zeitung 40/1 1985

Budapest, 5. Oktober 1985

 

Harmonie zwischen Mensch und Natur

Bei den Fotokünstlern Zseni Jung – János Eifert

 „Die Hände des Gärtners, ein Foto von János Eifert erblickend, fiel mir die Frage ein: Wo endet der Berufsfotograf und wo beginnt der Fotokünstler? Ja, es sind die Hände eines Gärtners, denn erdig ist deren Haut, Erde hat sich in den Runzeln und unter den Fingernägeln festge­setzt, und die Geste, wie sie den Pflänzling betreuen, ist absolut fachgemäß. Doh das Bild vermittelt darüber hinaus noch viel mehr: Es symbolisiert das Bangen des Menschen um die Natur, das Ver­hä!tnis zwischen Mensch und Natur, daB sie nämlich vom Menschen be­wahrt werden muß, und es strahlt Harmonie, ja Ruhe aus. Ich schaue auf das Foto und fühle Ruhe, denn solange solche Hände die Natur schützen, können wir beruhigt sein, daB die Natur erhalten bleibt.

János Eifert hat sich zum Ziel gesetzt, mit seinen Bildern die Har­monie und die gestörte Harmonie zwischen Jlensch und Natur zu zei­gen, da, wie er sagt, in unserer Zeit das Untergehen unserer Umwelt die gröBte Gefahr für die gesamte Menschheit ist.

„Wenn eine Pflanzenart odor ein Tier ausstirbt — und sowas kommt leider vor —, ist das ein Warnzeichen für uns Menschen. Es bedeutet, auch der Mensch ist in Gefahr! Meine Naturbilder sind keine Flucht irt die Natur, sondern ich möchte, daß sich die Menschen an der Schönheit er­freuen, daß sie besser und schöner leben, die Gefahr zeitig erkennen und ihr vorbeugen.

János Eifert ist auch von Beruf Fotograf, er arbeitet seft 1978 beim Blatt für Umweltschutz „Buvár, fotografiert unsere Umwelt in Stadt und Land: Bäume, Häuser, Wälder, Gärten, und so können wir seine Liebe zur Natur leicht verstehen. Wie auch seine aradere Liebe, die zum Tanz. Von 1960 bis 1977 tanzte er nänilich im Ensemble der Ungari­schen Volksarmee. Auf den Tourneen bereiste er ganz Ungarn und kam in 18 Länder der Welt.

„Mein Bruder studierte in Odessa, in der Sowjetunion, und schenkte mir zu Weihnachten einen Foto­apparat. Damals begann ich erst meine visuellen Erlebnisse zu ent­decken, für mich selbst festzuhalten. Ich kaufte mir einen Haufen Fach­bücher, in der Bücherei sah ich jedes Fotoalbum von Gink, Escher und ausländischen Fotokünstlern durch. Besonders Henri Cartier-Bresson, der weltberühmte Fotoreporter, ge­fiel mir. 1968 schickte ich zum ersten Mal Fotos zu einem Preisausschrei­ben nach Békéscsaba, wo ich gleich einen zweiten Preis erhielt. Ich habe mit meiner Kamera eine neue Welt für mich entdeckt und seitdem möchte ich meine Erlebnisse, meine Freude durch Fotos auch anderen vermitteln, sagt der 42jährige János Eifert, Nachkömmling einer vor 250 Jahren aus Deutschland in Soltvad­kert angesiedelten Weinbauerfami­lie.

Das Volumen seiner bisherigen Arbeit ist sehr reichhaltig, er machte Plakate, Schallplattenhüllen, Ka­lender, etwa 2000 Aufnahmen von ihm wurden in der Presse veröffent­licht, er hatte nahezu 190 Ausstel­lungen im In- und Ausland, 617 sei­ner Arbeiten erhielten 103 Auszeichnungen und Anerkennungen.

Seit 1971 ist er Jlitglied des Ver­bandes Ungarischer Kunstfotografen und seft 1980 des Ungarischen Re­klameverbandes.

 Kunstfotografin Zseni Jung ist nicht nur seine Frau, sondern auch sein besterllitarbeiter. Sie zeigt die Schönheit und Lyrik des menschli­chen Körpers, der Frau, mit feinen Tönen auf ihren Bildern. Bis 1982 arbeitete sie bei FÉNYSZÖV, mach­te fast 25 Jahre lang Porträtfotos. Eine gute Vorschule zu ihrer jetzi­gen Tatigkeit, denn auch jetzt sind ihre Porträtfotos sehr berühmt.

„Eigentlich wollte ich Arztin wer­den, erzählt sie, „konnte aber nach dem Abitur nicht weiterstudieren. So beschloß ich, egal, was ich arbei­ten werde, es gern zu machen. Und so geschah es. Voller Eifert widmete ich mich meinem Beruf und fand auch Freude an der Arbeit. Natür­lich gab es Tiefpunkte, aber seit ich das mache, was Sie hier sehen, bin ich wieder froh.”

Zum Frauentag im März 1984 wurde im Budapester Hungarocoop-Ausstellungssaal eine Kammeraus­stellung mit Aktfotos der Künstlerin und Reportagenfotos iiber Frauen von János Eifert unter dem Titel „A nő (Die Frau) arrangiert. Der Erfolg war enorm; seitdem bereiste die Ausstellung fast ganz Ungarn. Die beiden Künstler arbeiteten an dem Thema weiter, es entstanden gemeinsame Bilder, Eifert machte Fotomontagen aus zwei oder mehre­ren Negativen: Und schon war das Material einer neuen Ausstellung „Fák és nimfák (Bäume und Nym­phen) parat.

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Inzwischen fertigte Zseni Jung auf Bestellung Werbefotos für Skála­coop, Fabulon und Chemolimpex an. Im Oktober 1984 brachte ihnen die Ausgestaltung des Forte-Pavillons auf der Internationalen Schau der Fotoindustrie der Welt, auf der „Photokina in Köln, Anerkennung. Heuer verbrachten sie mehr als zwei Monate in New York, denn János Eifert hatte vom CORVINA-Verlag den Auftrag für ein New York-Al­bum erhalten.

Das Künstler-Ehepaar steht in engem Kontakt mit dem Leipziger Brockhaus-Verlag, zur Zeit illustri­ert Eifert einen Paris-Band, Zseni Jung stellt für die Firma Pentaton einen Akt-Kalender zusammen, und noch im Herbst soll in SchloB Qued­lingburg eine gemeinsame Ausstel­lung veranstaltet werden, verbun­den mit einem Farbdiabericht über die New-York-Reise, wo sie u. a. auch Andre Kertész, den weltbe­rühmten 91jit,hrigen Fotokünstler, persönlich trafen. Úngefit,hr ein Jahr lang wird János Eifert am 52seitigen Kalender „A Duna mentén” (Ent­lang der Donau) arbeiten, eine wei­tere Arbeit ist ein 12seitiger Örség-Kalender für Képzőművészeti Kiadó Vállalat. Zseni Jung bereitet eine Ausstellung vor, die ab dem 16. November in Vác zu besichtigen ist; ein Akt-Kalender wird gerade von Diner Jury beurteilt. Ihr Wunsch wäre, einen schöngeistigen Band mit ihren Fotos zu illustrieren.

Der große Wunsch der Fotokünst­ler ist aber, daß ie Symbole, die Poesie, die Harmonie, die Schön­heit und Freude, die sie durch ihre Bilder vermitteln, von den Zu­schauern mit Verständnis und Freu­de aufgenommen werden.                                                                                                                                            

—      mayer —

(Nach Redaktionsschluß erreichte uns die Nachricht, daß Andre Kertész ver­storben ist.)

   

Bilder: János Eifert: Die Hände des Gärtners, 1978 – In dieser Nummer veröfentlichen wir die Fotos von zwei Fotokünstlern: Zseni Jung und János Eifert. (Lesen Sie dazu auch unsere Artikel auf Seite 5!)

János Eifert: Symbol, 1984; János Eifert: Rambert Ballett, 1984; János Eifert (portrait); Zseni Jung (portrait); Zseni Jung: Der Wille zum Leben, 1985 (Infra-Aufnahme); Zseni Jung: Morgen, 1984